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Ganz andere Perspektive: Osnabrück von der Wasserseite

Der Jugendhilfeverein Lega S, Träger der Nackten Mühle, hat im Mai eine Kanutour über die Hase in Osnabrück angeboten. Etwa 30 Teilnehmer, meist Eltern mit ihren Kindern, beteiligten sich an dem Ausflug, bei dem 10 der 17 Osnabrücker Flusskilometer bewältigt wurden. Ein spannendes Abenteuer: Bei der Tour ging es in einer Rutschpartie über den Fisch-Kanu-Paar an der Neuen Mühle und am Neumarkt wurde die Fahrbahn unterquert. Hase-Kanutouren können bei Bootsverleihern gebucht werden, Lega S will solche Fahrten künftig wiederholen.

Ungewohnter Anblick: Gebäude an der Herrenteichstraße von hinten.
Wasser-Rutsche: Kanuten im Fischpass.
Heutige Ansicht: Fußgängerbrücke in Bereich Georgstraße.
Der Fluss im Bereich Oewer de Hase bei einer Kanutour: Hier wurde der Überbau auf einer Länge von 70 Metern entfernt.
Unter Tage: Kanufahrer unter den Fahrbahnen im Bereich Neumarkt/Georgstraße.
Haseöffnung im Bereich Bruchstraße am Bahnhof: Auf dem Wasser ist vom vielen Verkehr auf dem Konrad-Adenauer-Ring überhaupt nichts zu merken.
Start der Kanutour im Bereich Lüstringen/Voxtrup.
Bild der Gegensätze: Natur pur - in der Nähe des alten Güterbahnhofs.

 

Von Jens Lintel, aus Osnabrücker Nachrichten, 20. Mai 2015

 

Osnabrück (jel) - Bis auf das Wasser hängende Weidenzweige, Flieder in voller Blütenpracht, lange Reihen mächtiger Pappeln: Osnabrück einmal auf der Hase zu durchqueren ist ein Erlebnis. Von der Wasserseite aus sieht die Stadt ganz anders aus.  

Wer am Stadtrand in Voxtrup losfährt und sich in Fließrichtung über die Hase bewegt, erlebt unberührt wirkende Natur und prächtig grünende Gewässerrandstreifen, die sich bis mitten in die City ziehen. Selbst in der Nähe des Güterbahnhofs und des früheren Klöckner-Areals ist dank des dichten Bewuchses von den Industrieanlagen, die dort bis nah an den Fluss heranreichen, kaum etwas zu sehen – einzig der alte Lokschuppen verbreitet morbid-romantischen Charme.

Beim Unterqueren von Bruchstraße und Konrad-Adenauer-Ring ist ebenso wie auf dem Abschnitt von der Neuen Mühle bis zur Pernickelmühle vom vielen Verkehr ringsum nichts zu spüren und von der Polizei am Kollegienwall bis zur Bebauung an der Herrenteichstraße sind Gebäude und Grundstücke zu sehen, von denen sonst nur die Vorderseiten bekannt sind.

Besonders spektakulär ist die Unterquerung des Neumarkts bis zum Bereich „Oewer de Hase“, wo der vor einigen Jahren von seinem Betondeckel befreite Fluss mit einem Wasserfall schön inszeniert ist. Erst führt die Fahrt durch einen dunklen Tunnel – dann öffnet sich oben die Decke und der Himmel und die mit vielen Liebesschlössern behängten Brücken sind zu sehen. Demnächst wird der Fahrbahndeckel dort noch auf einem weiteren Teilstück vom M+E-Überbau bis zur Georgstraße entfernt.

Solche und viele weitere Informationen etwa zum Anlegen von Fischpässen oder zum Ausbau des Haseuferwegs hat jetzt Christiane Balks-Lehmann, die Leiterin des Fachdienstes Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Osnabrück, bei einer Kanutour über den Fluss vermittelt. Die Fahrt startete an der Hasebrücke Sandforter Straße in Voxtrup. Nach einer kurzen Einweisung in die Handhabung der Boote ging es über etwa 10 der 17 Osnabrücker Hasekilometer bis zur Römereschstraße über den Fluss.

Die Fahrt wurde vom Jugendhilfeverein Lega S, Träger der Nackten Mühle, angeboten. Etwa 30 Teilnehmer, meist Eltern mit ihren Kindern, waren dabei. Wie Lisa Beerhues, Chefin des auf umwelt- und erlebnispädagogische Angebote spezialisierten Lernstandorts, erklärte, sollen solche Hase-Touren erneut angeboten werden – feste Daten gibt es aber noch nicht.

Wer nicht bis dahin warten möchte, kann sich etwa bei dem in Gehrde (Samtgemeinde Bersenbrück) ansässigen Vermieter und Tour-Anbieter „Hase-Kanu“ Boote für eine Flussfahrt auf eigene Faust mieten oder sich auf dem Wasser von Führern begleiten lassen. Inhaber Jürgen Schnetlage war bei der Flussfahrt als Tourguide dabei. Sein Unternehmen hat die Boote, Paddel und Schwimmwesten zur Verfügung gestellt und fürs An- und Abfahren der Boote gesorgt.

Kanutouren über die Hase können bei Schnetlage von Klein- und Großgruppen gebucht werden, auch Betriebsausflüge und Klassenfahrten (auch mehrtägig) werden organisiert. Es wird in Booten für drei Personen gefahren, die mit wasserdichten Tonnen versehen sind, in denen Fotoapparate und Wertsachen verstaut werden können. Die Boote werden an einer verabredeten Stelle in den Fluss eingesetzt und dann nach der Fahrt an einer anderen Stelle abgeholt. Die Streckenabschnitte können sich die Kanufahrer aussuchen – auch Touren durch die Stadt sind möglich, wenngleich sie mit Hindernissen verbunden sind.

So müssen bei einer Flussfahrt durch die Innenstadt zwei „Nadelöhre“ passiert werden, an denen die Teilnehmer aussteigen und die Boote über Hindernisse heben oder sogar auf dem Land daran vorbeitragen müssen. Dabei handelt es sich um ein altes Wehr in der Nähe des Lokschuppens und die Staubarriere an der Pernickelmühle. „Es gibt dort keine Anleger und die Kanufahrer müssen über Böschungen steigen. Für reine Freizeitfahrten ist das zu schwer“, sagt Schnetlage.

Besonders das Passieren der Pernickelmühle ist mit Mühe verbunden. Boote müssen vor dem Wehr aus dem Wasser gehoben und dann über den Fußweg fast bis zur Mündung der Hasestraße getragen werden. Erst dort können sie über eine Treppe, die durch eine Bodenluke zugänglich ist, wieder aufs Wasser gesetzt werden.

An der genau dazwischen gelegenen Neuen Mühle kann der Höhenunterschied im Wasser dagegen entspannter bewältigt werden. An diesem Wehr existiert ein Fisch-Kanu-Pass, der von Fischen auch gegen die Strömung bewältigt werden kann. Boote können in Fließrichtung durchrutschen – das ist ein bisschen wie eine Achterbahnfahren auf dem Wasser. Jetzt bei der Tour verkantete sich ein Boot und drohte schließlich umzukippen – aber den Insassen gelang es, den Sturz ins Nass durch Gewichtsverlkagerung zu vermeiden.

 „Solche Kanutouren sind eine tolle Möglichkeit, Osnabrück einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen – um sie aber im Freizeitbereich anbieten zu können, müssten die Passagen der Wehre in der Stadt erleichtert werden“, sagt der 51-jährige Schnetlage. Pläne für solche Umbauten gibt es, in der Umsetzung sind sie aber nicht.  

Schnetlage spricht auf seiner Internetseite Streckenempfehlungen für Kanutouren aus. „Eine schöne Strecke kann etwa von Rieste nach Bersenbrück gefahren werden“, empfiehlt er. Bei den Touren können sich Kanuten auch in Lokalen in Flussnähe bewirten lassen. Hase-Kanu vermietet Boote je nach Gruppengröße für 12 oder 13 Euro pro Erwachsenem (Kinder: 6 oder 7 Euro). Ein Führer und Bootstransporte (ab 10 Personen frei) können dazugebucht werden. Infos: www.hase-kanu.de.

 

Veröffentlicht in den Osnabrücker Nachrichten vom 20. Mai (pdf)