Haseöffnung im Bereich Bruchstraße am Bahnhof: Auf dem Wasser ist vom vielen Verkehr auf dem Konrad-Adenauer-Ring überhaupt nichts zu merken.

Der Deckel kommt weg: Die Haseöffnung in der Osnabrücker Innenstadt 

Abschnitt Oewer de Hase: Hier wurde der Betonüberbau auf einer Länge von etwa 70 Metern entfernt.
Geöffneter Flussabschnitt im Bereich Oewer de Hase bei einer Kanutour. Hinten ist die Untermauerung des Neumarkts zu sehen.
Gefühlsbeweise: Die Brücke über den wiedergeöffneten Fluss im Bereich Oewer de Hase ist über und über mit Liebesschlössern behängt.
Blick über den Fluss im Bereich Oewer de Hase. Bevor der Überbau entfernt wurde, befanden sich hier Parkplätze.

In den 1950er und 1960er Jahren sahen die Maßgaben für Stadtplanung anders aus: In der Zeit nach dem Krieg sollten die Innenstädte vor allem autogerecht sein und der Ausbau von Straßen und Parkplätzen hatte oberste Priorität. Auch in Osnabrück wurde nach dieser Devise gehandelt: Um die Stadt besser an die Anforderungen des wachsenden Verkehrs anzupassen und gleichzeitig noch das Problem der damals stark verschmutzten und dadurch bei niedrigem Wasserstand häufig „zum Himmel stinkenden“ Hase zu lösen, wie es seinerzeit in den Zeitungen hieß, wurde der Fluss schließlich am Bahnhof und am Neumarkt über weite Strecken überbaut und mit einem neuen Bett aus Beton versehen, das eine höhere Fließgeschwindigkeit gewährleisten sollte.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Natur und eine gesunde Umwelt gehören zu den wichtigsten Ressourcen für urbanes Leben und ihr Schutz genießt mittlerweile auch in der Stadtplanung höchsten Stellenwert. In Osnabrück haben sich die Prioritäten für die Hase grundlegend geändert: Heute geht es darum, den Fluss schrittweise als natürlichen, geschichtlichen und städtebaulichen Raum wieder zu beleben und zu einem wichtigen Bezugspunkt für das Leben der Menschen in der Stadt zu machen. Durch den Rückbau von Betondeckeln und dem Ausbau des Uferwegs auf dem Innenstadtabschnitt zwischen Neumarkt und Neuer Mühle ist es dabei sogar gelungen, die Hase mitten in der Innenstadt wieder zugänglich und einsehbar zu machen, wo sie zuvor jahrzehntelang abgeschnitten war.

Die „Entdeckelung“, also die Öffnung des Betonüberbaus, auf dem ersten etwa 70 Meter langen Abschnitt zwischen Galeria Kaufhof und der Gutenberg-Passage, erfolgte in den Jahren 1999/2000 als Gemeinschaftsvorhaben von Stadt und Anliegern. Durch den Rückbau des Betondeckels und die Errichtung der Fußgängerbrücke, die als Wegeverbindung dient, wurde die zuvor als Parkplatz genutzte Fläche städtebaulich deutlich aufgewertet und hat ganz neue Aufenthaltsqualität gewonnen.

Die Brücke hat sich einer Art Lieblingsplatz von frisch verliebten Osnabrückern entwickelt, die sich dort ihrer Gefühle versichern, indem sie „Liebesschlösser“ an die Geländer hängen. Mittlerweile ist die Brücke auf beiden Seiten über und über mit solchen Vorhängeschlössern mit eingravierten Namen oder Daten behängt, wie sie in den letzten Jahren vielerorts aufgekommen sind. Ein wenig störend ist aus Sicht der Hase dabei allerdings der Brauch, dass die Schlüssel anschließend ins Wasser geworfen werden – aber das ist ein anderes Thema.

Um auch das Bahnhofsumfeld auf eine solche Weise städtebaulich aufzuwerten, wurde anschließend 2003/2004 die Überbauung der Hase zwischen der Bruchstraße und Konrad-Adenauer-Ring auf einer Länge von etwa 50 Metern vollständig beseitigt. Dort wurden auch die Gewässersohle und die Böschungen des Flusses soweit wie möglich naturnah gestaltet und bepflanzt. Das Vorhaben wurde aus Mitteln aus der Städtebaulichen Sanierung finanziert.

Der Rückbau des Betondeckels wird jetzt noch zwischen der Straßenüberbauung Meinders und Elstermann und der Georgstraße fortgesetzt. Das Vorhaben stellen wir auf einer Folgeseite vor.

Fortführung der Entdeckelung

Bei dem dritten Rückbauvorhaben wird im Anschluss an das erste geöffnete Teilstück der Betondeckel auf einem weiteren etwa 60 Meter Abschnitt entfernt. Es entsteht eine moderne Steg- und Brückenkonstruktion mit Platz für Gastronomie und Handel.. mehr...

 

Entwurfszeichnung von Jan Wehberg und Cornelia Müller vom Büro Lützow 7.