Große Wäsche an der Hase

Große Wäsche an der Hase.

Von Karen Marin stammt eine Hase-Geschichte, in der der Fluss fester Bestandteil des Alltags ist: Wäschewaschen war in der Nachkriegszeit für viele Osnabrücker fest mit der Hase verbunden. Lesen Sie hier den Anfang der Geschichte. Wer den Text ganz lesen möchte, kann ihn sich unten in kompletter Länge herunterladen. Außerdem bieten wir eine Fassung zum Anhören an: Der CDU-Politiker Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde hat die Geschichte von Karen Marin vorgelesen.

 

Große Wäsche an der Hase

Wissingen. Sommer 1948.

„Hol mal Werner zu Hilfe“, keuchte die Mutter mit hochrotem Kopf in der Waschküche im Schuppen vor dem Haus, als Karen von der Schule kam. Aus dem kleinen Fenster quollen Schwaden. Es roch nach Seifenlauge. Dalli-Edel war in die Kernseife eingestanzt, die die Mutter in ihren rauen, harten Händen hielt. Die dauergewellten Haare, die unter dem Kopftuch hervorlugten, sahen aus wie Sauerkraut. „Kneifen gibt´s nicht! Arbeiten hat noch niemandem geschadet.“

Karen lief schnell ins Haus, holte den Bruder. Denn wenn die Mutter Große Wäsche hatte, war die Luft in der Waschküche nicht nur feucht und heiß, sie war auch dick und ohrfeigengeschwängert. Zu allem Überfluss köchelte an solchen Tagen auch immer eine dünne Schnippelbohnen-Suppe, gemischt mit klein geschnittenen Kartoffeln, auf dem Herd – der Eintopf, der schon am Tag vorher gekocht wurde.

Gemeinsam mit der Mutter hob Werner die Zinkwanne mit der Wäsche, die mit Seifenlauge vollgesogen, nass und schwer war, in den Handwagen. Karen holte noch rasch den Wäschekorb, und ab ging´s zum nahegelegenen Fluss. Zwei zogen, einer schob. Am liebsten hätte Karen den Wagen an der langen Deichsel mit der vielen Wäsche darin allein hinter sich hergezogen. Sie hatte es versucht, aber er war zu schwer. Ohne Hilfe des älteren Bruders bewegte er sich nicht von der Stelle.

Nach zwei Kilometern kamen sie an dem Flüsschen Hase an, das sich malerisch durch die endlosen Weidegründe des Bruchs schlängelte. Hier wuchsen viele bunte Blumen: Primeln, Löwenzahn und Marienblümchen.

Hier wechselte der strickende Schäfer mit seiner Schafherde und dem Hund Bello von Bruch zu Bruch manchmal die Straße. Karen und ihre Freundin, die Fröhlich-Macherin, hatten ihn und die Schafe schon oft begleitet.

 

Über die Autorin
Karen Marin ist zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Eckernförde geboren. 1944 Umzug nach Gotenhafen, heute Gdynia/PL. Jetzt wohnhaft in Osnabrück. Ab 1999 bis 2006 Mitglied der Schreibwerkstatt Klaus Th. Schnittger, VHS Osnabrück. Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und in Anthologien, zuletzt: "Osnabrück, Heimatstadt von Quakenbrück bis Kattenvenne" (Geest-Verlag). Autorin des autobiografischen Romans "Lauf, Karen, lauf!", erschienen im Husum-Verlag (Zeitzeugin Flucht im Januar 1945 von Gotenhafen über die Ostsee im Teil-Geleit der "Gustloff").

 

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Kurzgeschichte "Große Wäsche" zum Download (pdf)

fileadmin/eigene_Dateien/051_Hase/C.__Brickwedde_.mp3Audiofassung: Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde liest "Große Wäsche an der Hase" vor (8 MB, mp3)