Historischer Stadtplan:Die Hase war Teil der Stadtbefestigung.

 

Geschichte und Geschichten: Die Hase, der Osnabrücker Stadtfluss

Ansicht Neue Mühle im Jahr 1908 (Bildquelle: Alt Osnabrück - Bildarchiv fotografischer Aufnahmen bis 1945, Hrsg. Wido Spratte erschienen im Wenner Verlag).
Heutige Ansicht: Neue Mühle mit dem Wehr.
Brücke über die Georgstraße: Ansicht im Jahr 1912 (Bildquelle: Alt Osnabrück - Bildarchiv fotografischer Aufnahmen bis 1945, Hrsg. Wido Spratte erschienen im Wenner Verlag).
Heutige Ansicht: Fußgängerbrücke in Bereich Georgstraße.
Herrenteichstraße: Ansicht im Jahr 1903 (Bildquelle: Alt Osnabrück - Bildarchiv fotografischer Aufnahmen bis 1945, Hrsg. Wido Spratte, erschienen im Wenner Verlag).

Der Fluss steht in enger Verbindung zur Gründung und Benennung der Stadt und gerade in den ersten Jahrhunderten hatte er eine wichtige Bedeutung für die Stadt. Die Hase trieb Mühlen an, diente den Gerbern und anderen Handwerkern als Produktionsmittel, an den Ufern wurden Waschplätze eingerichtet und die Menschen badeten und wuschen sich auch selber darin, aber der Fluss lieferte auch Trinkwasser und sorgte gleichzeitig dafür, dass die Abwässer aus der Stadt abliefen. Außerdem war die Hase als Graben vor der Stadtmauer auch in die Befestigungsanlagen einbezogen. 

Später, als mit der Industrialisierung die Bevölkerungszahl Osnabrücks immer weiter wuchs und immer mehr Fäkalien und immer mehr ungeklärte Abwasser aus immer größeren Betrieben eingeleitet wurden, entwickelte sich die Hase zum Sorgenkind: Der Fluss verschlammte und wucherte zu, bis er schließlich, wie man heute sagen würde, umkippte. Alte Zeitungsberichte belegen vielfach Fisch- und Vogelsterben, außerdem ging, wie es 1893 im Osnabrücker Tageblatt hieß, ein „säuerlich widerlicher Geruch“ von dem Fluss aus.

Nach der Cholera-Epidemie im Jahr 1859, bei der in Osnabrück 149 Menschen starben, wurden Trinkwasserleitungen verlegt und die alten Stadtgräben durch neue Kanäle ersetzt, aber die Hase diente weiter als der große Abfluss für die Stadt. Erst ab 1914 wurden Kläranlagen gebaut – fünf Jahre zuvor hatte die Stadtverwaltung das Baden in der Hase aus gesundheitlichen Gründen verboten und das letzte noch geöffnete Fluss-Bad an der Neuen Mühle war geschlossen worden. 

Das Sterben des Flusses dauerte auch nach dem Zweiten Weltkrieg durch andauernde Abwassereinleitungen immer weiter an. Nur ganz allmählich regten sich in Osnabrück Initiativen zum Schutz der Hase. Erst mit dem modernen Umweltbewusstsein änderte sich das wieder. Heute ist es das Ziel, die Hase in einen naturnahen Zustand zurückzuversetzen – und die Osnabrücker bringen „ihrer“ Hase mittlerweile viel mehr Wertschätzung entgegen. Für die „Hasestadt“ gehört sich das natürlich auch – schließlich steht schon die Stadtgründung in einer Verbindung mit dem Fluss.

Als im 8. Jahrhundert wohl durch Karl den Großen auf einer Erhebung in der Haseniederung die erste Missionszelle errichtet wurde, aus der Osnabrück hervorging, bildeten die Hase und ihre Nebenflüsse einen natürlichen Schutz vor Angreifern. Die Domburg und die ersten Ansiedlungen waren auf allen Seiten von dem Fluss und seinen Nebenläufen umflossen. 

Auch der Name Osnabrück leitet sich von dem Fluss ab. Die Hase wurde zur Zeit der Stadtgründung „Osen“ oder „Osna“ genannt, wobei dies wohl auf das altgermanische Göttergeschlecht der „Asen“ zurückgeht. Eine andere Herleitung für den Namen auf das germanische Wort „haswa“ (grau) zurück, das sich in ähnlicher Form im angelsächsisch „hasu“ und im altisländischen „hass“ (graubraun) findet. Auch im Völkernamen Chasuarii (Haseanwohner), der u. a. bei Tacitus belegt ist, klingt das Wort an. Die Benennung eines Flusses nach einer Farbe ist übrigens nicht ungewöhnlich (Elbe geht auf das lateinische Adjektiv „albus“ für weiß, grau, blass, hell zurück) verwandt ist. Demnach wäre „Osnabrück“ dann doch nichts anderes als Ortsbezeichnung für eine Brücke über die Hase.

Für das städtische Projekt Lebendige Hase haben Osnabrücker Autorinnen und Autoren fantasievolle Geschichten zur Hase zu Papier gebracht. Es sind unterhaltsame Geschichten, Liebeserklärungen an unseren Fluss, die beweisen: Unsere Hase ist alles andere als langweilig. Die Geschichten stammen von Anne Koch-Gosejacob, Karen Marin und Wilfried W. Meyer. Weiter haben die Hasepaten Dr. Fritz Brickwedde, der früheren Domkapitular Prof. Heinrich Jacob, Prof. Gerhard Lohmeier und Elisabeth Michel im Bürgerfunksender erklärt, was ihnen der Osnabrücker Stadtfluss bedeutet.

Große Wäsche an der Hase

Von Karen Marin stammt eine Hase-Geschichte, in der sie sich an die Nachkriegszeit erinnert: Wäschewaschen im Osnabrücker Stadtfluss, damals ganz alltäglich. Wir bieten die Geschichte zum Download und zum Anhören an. Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde hat "Große Wäsche an der Hase" vorgelesen. mehr...

Große Wäsche an der Hase.

Hans und Hannah auf der Hase

Von Wilfried W. Meyer stammt eine Hase-Geschichte, die er anlässlich der Verleihung des "Hasetalers" verfasst hat. Er verfolgt das Engagement für die Hase mit großem Vergnügen. Wir bieten die Geschichte zum Download und zum Anhören an. Elisabeth Michel hat "Hans und Hannah auf der Hase" vorgelesen. mehr...

Bootstour auf der Hase.

Wohnt da der Wassermann?

Von Ursula Rittwage liegt eine Hase-Geschichte vor, in der eine Großmutter und ihr Enkel (nach anstrengenden Einkaufsbummel) eine Entdeckungstour auf die Hase unternehmen. Wir stellen den Text mit einem Auszug vor. Wer ihn ganz lesen möchte, kann ihn sich in kompletter Länge herunterladen. mehr...

Die Hase bei L+T.

Alles Hase, oder was?

In Rita Krögers Hase-Geschichte spielt der Fluss eine besondere Rolle: Die Hase ist Erkennungszeichen für zwei Unbekannte und wird schließlich das Glückszeichen für ein Paar. Wir stellen den Text mit einem Auszug vor. Wer ihn ganz lesen möchte, kann ihn sich in kompletter Länge herunterladen. mehr...

Hase am Gymnasium Carolinum.

Badefreuden, 1947

Ebenfalls von Karen Marin stammt diese Hase-Geschichte, die davon erzählt, wie Kinder im Jahr 1947 einen Sommertag an und in der Hase verbringen und dabei ihren ganzen Mikrokosmos entdecken. Wir bieten die Geschichte zum Download und zum Anhören an. Der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Gerhard Lohmeier hat "Badefreuden, 1947" vorgelesen. mehr...

Die Badebucht des Jahres 1947.

StadtlandFluss

Anne Koch-Gosejacob beschreibt in dieser Hase-Geschichte den Lauf des Flusses von der Quelle bis zur Mündung. Sie beobachtet, wie er erst murmelnd, dann raunend und schliesslich träge und behäbig dahinfliesst. Wir bieten die Geschichte zum Download und zum Anhören an. Der frühere Domkapitular Prof. Dr. Heinrich Jacob hat "StadtlandFluss" vorgelesen. mehr...

Hase am Herrenteichswall.

Haselied von Günter Gall

Extra für die "Lebendige Hase" komponierte und textete der Osnabrücker Musiker Günther Gall im Jahr 2005 die Hase-Ballade "Freie Bahn für freie Fische". Er hat das Lied mit Osnabrücker Schülern eingespielt und trägt es bei vielen Gelegenheiten vor. Wir stellen Galls Ballade von den "freien Fischen" vor und bieten sie auch zum Anhören und Herunterladen an. mehr...

Illustration zum Haselied.